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02.12.2009<br>E-Mobilität auf dem Flugfeld

02.12.2009
E-Mobilität auf dem Flugfeld

Welche Antriebskonzepte können den Benzin- oder Dieselmotor bei Fahrzeugen ergänzen oder irgendwann ersetzen? Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus und welche Auswirkung hat ein Wandel auf die Gestaltung der Städte? Das waren die zentralen Fragen der dritten Standortveranstaltung des Zweckverbands Flugfeld, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO durchgeführt wurde. Ungefähr 200 Gäste waren in die Legendenhalle im Meilenwerk gekommen, um mehr über Perspektiven und Szenarien zu erfahren.

"Es gibt kein, weiter so", zitiert Moderator Dr. Wilhelm Bauer von Fraunhofer Institut IAO in seiner Eröffnung Bundeskanzlerin Merkel. Die zunehmende Umweltbelastung und die nicht mehr unbegrenzte Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe machen dringend neue ökologische und ökonomische Antriebskonzepte erforderlich. Solarfahrzeuge, Druckluft- und Elektromotoren sind solche Lösungsmöglichkeiten, die sich in der Erprobung befinden. Ziel muss es sein, die Schall- und Luftschadstoffbelastung erheblich zu verringern und die Umwelt- und Lebensqualität zu steigern.
"Nichts ist so überzeugend wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist", pflichtet Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang seinem Vorredner bei und betont, dass es jetzt an dieser Zeit sei, den Wandel einzuläuten. Sicher ist jedoch auch, dass sich Kommunen, Stadtplaner und Architekten auf dieses Umdenken einstellen müssen. Elektromobile Fahrzeuge können aufgrund der bisher nur geringen Reichweite der Akkus überwiegend als Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt werden, so dass auch eine Infrastruktur an Aufladestationen, Parkierung und Abrechnungssystemen vorhanden sein muss.
Auf dem Flugfeld könnten solche Konzepte umgesetzt werden und es würde so zu einer prominenten Adresse wie Yokohama und Masdar-City (Abu Dhabi). Dort sind Konzepte angedacht, die emmissionsfreie Innenstädte anstreben.

Diese Themen waren die Ausgangspunkte für die dritte Standortveranstaltung des Zweckverbands Flugfeld. Acht Experten waren der Einladung gefolgt, um den 200 Interessierten konkrete Projekte vorzustellen, wie der Umweltbelastung und der Verknappung von fossilen Brennstoffen begegnet wird.
Dr. Klaus Georg Bürger der Robert Bosch GmbH verdeutlichte anhand der Geschichte des elektrischen Fahrzeugantriebs, dass eigentlich nur diese Lösung eine nachhaltige sein kann. Die Umwandlung von jeder regenerativen Energiequelle wie Wind, Sonne und Wasser in Elektrizität ist möglich und die E-Motoren sind es , die den höchsten Wirkungsgrad erzielen. Selbst die Brennstoffzelle kann keinen vergleichbaren Wert erzeugen. Zudem muss sehr viel Energie aufgewendet werden um Wasserstoff herzustellen. Eine Einführung des elektrischen Antriebs in der Breite scheiterte bislang an der Alltagstauglichkeit, den technischen Barrieren und an den Kosten. Dennoch gelte es diese Zukunftstechnologie voranzutreiben. Vor allem die Speicherung der Energie müsse ein Hauptanliegen sein, so Bürger.

Wie sich die Einführung der E-Mobile auf die Wertschöpfungskette auswirken könnte, stellte Peter Roos, Geschäftsbereichsleiter Daimler/Porsche bei der EDAG GmbH, dar. "Das Auto bleibt ein emotionales Produkt", lautete seine Eingangsthese. Es werde jedoch seinen Status als Prestigeobjekt verlieren. Oberstes Gebot bleibe die Flexibilität: Call-a-Car-Konzepte seien ebenso denkbar wie die Verknüpfung von E-Mobilen an Stromversorgerverträge oder der Vertrieb über Baumärkte.

Dr. Jörg Wind, der bei der Daimler AG unter anderem für die Marktentwicklung der Brennstoffzelle und Elektrofahrzeuge zuständig ist, erläuterte den Standpunkt der Autobauer. Sein Fazit: nicht alle Antriebsarten eignen sich für alle Anforderungen. Der Einsatz der Batterie als Energielieferant sei speziell für Kleinwagen geeignet, die im Stadtverkehr eingesetzt werden. Die Aufladung könne über Nacht erfolgen, wenn möglich in der eigenen Garage oder an öffentlichen Ladeeinrichtungen, für die es eine Infrastruktur zu schaffen gelte. Die Brennstoffzelle hingegen biete die größere Reichweite und die kürzere Betankungszeit. Der Weg hin zur Elektrifizierung der Fahrzeuge sei aus seiner Sicht in drei Schritten möglich. Zunächst müssen die bestehenden Verbrennungsmotoren optimiert werden, danach müsse eine Effizienzsteigerung durch die Hybridisierung erfolgen bevor ein emmissionsfreies Fahren mit Brennstoffzellen und Batterie möglich sei. Mit e-mobility, einem Gemeinschaftsprojekt von Daimler und RWE, wird in Berlin die Alltagstauglichkeit von 100 E-Smarts und 500 Aufladestationen erprobt.

Dass die E-Mobilität nicht nur ein Hype ist, sondern ein "Muss", darin waren sich auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Nun gelte es die Rahmenbedingungen, zum Beispiel die Flächen für die Energieversorgung, zu schaffen. Einen diskriminierungsfreien Zugang für den Kunden, möglichst europa-, wenn nicht gar weltweit, forderte Dr. Alois Kessler von der EnBW. Jeder Stromanbieter muss über jede öffentliche Ladesäule Strom an seinen Kunden liefern können. Dazu sind standardisierte Authentifizierungssysteme notwendig. Eine Möglichkeit die Fahrzeuge mit Strom zu betanken sieht Thomas Ludwig von der APCOA Parking GmbH in den öffentlichen Parkhäusern. Auch seine Gesellschaft betreibt mit der RWE eine Kooperation, 400 Stromtankstellen sind schon im Einsatz.  
Dr. Ing. Manfred Dangelmaier, Institutsdirektor am Fraunhofer IAO in Stuttgart vertrat die Ansicht, dass das Einkaufen von Mobilität an Bedeutung gewinnt, während das Interesse am Eigentum eines Fahrzeugs nachlasse. Bis 2030 werden die Verbrennungsmotoren aus den Innenstädten verbannt sein. Ein Problem sieht Dangelmaier in der geringen Reichweite der Batterien, die nur die Kurz- und Mittelstrecke in absehbarer Zeit bewältigen können. Über die Langstrecke müsse weiter nachgedacht werden. Eine Möglichkeit sei, mit dem E-Auto zum Bahnhof zu fahren, dort den ICE zu besteigen und am Zielbahnhof auf eine anderes E-Mobil zurückzugreifen. Auch der Güterverkehr könne über solche intermodale Ketten abgewickelt werden. 
Dem stimmte Dr. Michael Ortgiese von der PTV AG  uneingeschränkt zu. Neue Services rund um die Mobilität müssten dieses Umdenken unterstützen und eine City Maut, wie sie in London bereits eingeführt sei, könne die Entwicklung beschleunigen.

Nach der Pause stellte Prof. Tobias Wallisser am Beispiel Masdar vor wie die Planung einer emmissionsfreien Stadt aussehen könnte. 50.000 Menschen sollen dort angesiedelt werden. Durch eine Verdichtung im Zentrum wird der Verkehr zwischen Arbeitsplatz und Wohnort reduziert, der Einsatz von E-Mobilen sorgt für CO2-Freiheit. Zudem verläuft der Individualverkehr in einer Sockeletage. Für alle Gebäude gelten strenge Energie- und Umweltstandards. Auf den Dächern muss über das Jahr hinweg ebenso viel Strom erzeugt werden wie in den Gebäuden verbraucht wird. Der Energieverbrauch liegt durchschnittlich  80 % unter dem Standard, der Wasserverbrauch soll ca. 40 % des in der Region üblichen betragen. Darüber hinaus ist Regenwassernutzung und Grauwasserrecycling vorgesehen.

Angesichts der Vielzahl der Themen und der hohen Resonanz zog Zweckverbands-Geschäftsführer Olaf Scholz ein positives Fazit zur dritten Standortveranstaltung. "Das Interesse an dieser Veranstaltung ist für uns ein Zeichen, dass die Bedeutung der E-Mobilität in den Köpfen der Menschen verankert ist. Sie wird neben den Themen Navigation und  Luft- und Raumfahrt eine der tragenden Säulen des High-Tech-Standorts Flugfeld werden."



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